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Schwerpunkt Rechte besonders verletzlicher Gruppen in der Praxis

Besonders verletzliche Personen zeichnen sich dadurch aus, dass sie meist von mehreren sozialen und/oder ökonomischen Faktoren wie zum Beispiel Krankheit, Ausgrenzung oder Erwerbslosigkeit betroffen sind, was die Ausübung und Inanspruchnahme ihrer Grund- und Menschenrechte erschwert. Aus der sozialwissenschaftlichen Forschung ist heute bekannt, dass diese Folge nicht nur mit der individuellen Situation einer Person zusammenhängt, sondern auch mit der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe wie beispielsweise Migrantinnen und Migranten, Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung, alte Menschen oder Kinder in bildungsfernen Familien. Gehört eine Person gleich mehreren solchen Gruppen an, etwa eine betagte, demente Person, erhöht sich ihr Risiko für Benachteiligungen beim Zugang zu Menschenrechten.

Menschenrechtssituation besonders verletzlicher Gruppen

In den vergangenen Jahren konnte eine Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen und eine zunehmende Ausdifferenzierung sozialstaatlicher Vorkehrungen beobachtet werden, um solche Menschen angemessen(er) zu unterstützen.

Doch selbst wo grundsätzlich Rechte und Hilfestellungen bestehen, finden besonders verletzliche Personen oft keinen Zugang zu den für sie relevanten Informationen oder sie nehmen die angebotenen Unterstützungsleistungen aus verschiedenen Gründen nicht in Anspruch. So fürchten z.B. ausländische Opfer rassistischer Diskriminierungen durch Behörden oft negative Konsequenzen auf ihren Aufenthaltsstatus, einer alleinerziehenden Mutter eines behinderten Kindes mag Zeit und Kraft fehlen, um sich selber über zusätzliche Hilfsangebote zu informieren, oder für eine betagte Person mit eingeschränkter Mobilität kann bereits der Gang zu einer Beratungsstelle eine grosse physische Hürde darstellen. Auch für die Behörden stellen sich in der Praxis oft komplexe Probleme, deren fallgerechte Lösung ein solides Fachwissen bedingt, eine gute Zusammenarbeit mit weiteren involvierten kommunalen, kantonalen und eidgenössischen Behörden sowie eine Vernetzung und Koordination mit Akteuren aus der Zivilgesellschaft voraussetzt.

Das SKMR setzte sich bereits früher mit der Situation von besonders verletzlichen Gruppen auseinander, so unter anderem mit den Grund- und Menschenrechten von Kindern, von weiblichen Flüchtlingen oder von Roma.

Teilprojekte

Teilprojekt des Schwerpunkts "Rechte besonders verletzlicher Gruppen in der Praxis" handelte es sich um die "Juristische Bestandesaufnahme der Hindernisse für die Umsetzung und Inanspruchnahme der Menschenrechte von älteren Personen".

Das zweite Teilprojekt "Grund- und Menschenrechte von älteren Menschen – Ein Leitfaden für die Praxis" widmet sich der Erarbeitung eines Praxisleitfadens.